Die Angst kann auch ausgelöst werden, weil man positive Rückmeldungen befürchtet. Das hört sich auf den ersten Blick paradox an, doch wenn man genauer hinsieht, ist es sinnvoll. Denn die Menschen, die Angst vor positiven Rückmeldungen haben, wollen sich meist nicht von anderen abheben, da sie dann befürchten, als arrogant oder hochnäsig angesehen zu werden. Sie befürchten, dass durch eine gute Leistung der Neid der anderen geweckt wird und diese sie dadurch aus der Gruppe ausschließen. „Du hast dich aber stark verändert“ ist dann oft ein Satz, der von alten Freunden oder der Familie fällt.
Durch eine gute Leistung kann man auch mit Ranghöheren in Konflikt geraten. Wenn die eigene Präsentation im Meeting mit dem Kunden besser ist als die des Chefs, ist es möglich, dass dieser sich rächt oder Wege findet, die eigene Arbeit zu sabotieren. Auch deshalb wollen viele Menschen nicht allzu sehr glänzen und bleiben hinter ihrem eigentlichen Potenzial zurück.
Der hohe Anspruch an sich selbst, der (in welcher konkreten Form auch immer) hinter dem Lampenfieber steckt, ist nicht das eigentliche Problem. Er wird es nur dann, wenn er einseitig und realitätsfern ausgelebt wird. Wenn die Angst vor „Fehlern“ im Vordergrund steht, dann wird die hemmende, vermeidende Seite der Angst betont. Dadurch legt man sich eher Steine in den Weg und wird von dem abgelenkt, was wirklich wichtig ist. Es ist wie beim Autofahren: wir fahren dorthin, wo wir hinschauen. Und wenn wir auf das Hemmende schauen, dann kommen wir genau da an.
Wenn das Streben nach Leistung im Vordergrund steht, können wir die aktivierende Seite der Angst nutzen. Wichtig ist, den Perfektionismus niemals auf die Rückmeldung der Anderen zu beziehen, sondern immer nur auf die eigene Performance. Das Ziel ist also nicht: 100% der Zuhörer waren absolut zufrieden und hatten keine Kritik an meiner Rede. Sondern: Ich habe meine Energie und meine Leidenschaft in die Vorbereitung und die Durchführung der Rede gesteckt und das gegeben, was im Moment in meiner Lebenssituation mein Bestes ist.
Es ist also alles eine Frage der Perspektive. In den nächsten Modulen lernst du verschiedene Arten kennen, mit Angst umzugehen. Es gibt dabei günstige und ungünstige Bewältigungsmechanismen.